Schriftstellering Viola Taraz

Asterisk*

Über die EP Asterisk* der Jazz-Gruppe Jambal aus Luxemburg.

Jambal — das ist der Moment, in dem die Trompete singt, das Vibraphon denkt, das Schlagzeug pulsiert und der Bass alles zu einem einzigen Organismus verbindet.
Wenn die Trompete die Seele ist, das Vibraphon der Kopf, das Schlagzeug das Herz und der Bass der Nerv.

Jambal ist ein Organismus, der von Musik als Abstraktion lebt — ohne zu präzisieren, ohne dem Hörer eine bestimmte Interpretation aufzuzwingen. Deshalb ist ihre neue Veröffentlichung nicht ganz ein Album, sondern eher eine EP: nur vier Tracks. Und genau deshalb wirkt der Titel Asterisk* so treffend.

Ein Asterisk ist eine Fußnote. Eine beiläufige Erklärung — oder in diesem Fall eine verhüllte künstlerische Geste. Die Fußnoten verweisen auf cartoonhafte, beinahe groteske Figuren, die die Tiefe der musikalischen Aussage nicht offenlegen, sondern sie ironisch kaschieren. Das ist Selbstironie. Fast schon eine gewisse Scham: nur ein Scherz. Und doch kein Scherz.

Was sich hier entfaltet, ist ein Eintauchen in Sphären, die den Gesetzen des musikalischen Denkens folgen. Instrumentale Vektoren breiten sich in alle Richtungen aus, erweitern das Bewusstsein — und angesichts der Unermesslichkeit dieser Klangwelt beginnt sich der Kopf zu drehen.

Asterisk* ist nicht einfach eine EP und schon gar kein „Nicht-ganz-Album“. Es ist ein Zyklus aus vier Teilen — seinem instrumentalen Denken nach geradezu sonatenhaft-sinfonisch.

Der erste Teil ist von großer Dimension: Er scheint die Elemente aller folgenden in sich aufzunehmen. Eine Setzung, ein Konglomerat des Kommenden — der Prozess der Erschaffung eines Kosmos. Die Fußnote, die auf die skurrile Figur *grantelbart verweist — einen Psychopathen, Alkoholiker und Drogenabhängigen, den Antipoden des Weihnachtsmanns — unterstreicht paradoxerweise nicht die Entstehung einer Anti-Welt, sondern die Geburt einer Welt.

Die Sphärizität des Klangs überrascht mit sonoren Entdeckungen. Ein Verweilen in der reinen Ästhetik des Hörens — eine Meditation, die unmerklich zur Katharsis führt. Auf dem Höhepunkt des allmählichen „Zusammenfügens“ scheinbar disparater Motive — vibraphonischer Gedankenfragmente, murmelnden Basses, pulsierenden Schlagzeugs — vereint die Trompete alles mit einer durchdringenden melodischen Linie. In diesem Moment beginnt der Kosmos mit voller Brust zu atmen. Und genau dann können dem Hörer Tränen in die Augen treten.

Der zweite und dritte Teil — dynamisch und beweglich — verkörpern zwei gegensätzliche und zugleich untrennbare Prinzipien: das Weibliche (*adriana) und das Männliche (*eric the clerik). Beide Themen gehen aus der ursprünglichen Quarte hervor: Adrianas Thema strebt aufwärts — eine Quintessenz des Weiblichen; Erics Thema abwärts — eine Geste der Männlichkeit.

Die Quarte ist stets eine Geste — eine Bewegung vom Selbst zum Anderen. Hier sind es zwei Quarten, die einander entgegen gerichtet sind. Sie betont die innere Einheit der Teile, während Adrianas lyrische Ergüsse und Erics spielerische Maskerade ihren Kontrast offenbaren. Adriana wird zum lyrischen Zentrum des Zyklus, Eric zu seinem scherzohaften Pol.

Das Finale führt den Hörer zurück in die meditative Ruhe des ersten Teils, zeigt jedoch den entgegengesetzten Prozess — nicht das Zusammenfügen, sondern das Schmelzen der Welt. Ein Verschwinden. Die Fußnote auf Winnie-the-Pooh, der Honig isst (*pooh just wants some honey), ruft sanft und humorvoll das Bild eines allmählich verschwindenden Genusses hervor — und mit ihm der Klangmaterie selbst.

So bilden der erste und der letzte Teil zwei Phasen eines einzigen Vorgangs: Werden und Vergehen. Meditation und Verweilen. Der zweite und dritte Teil hingegen sind zwei aufeinander gerichtete Daseinsformen der Welt: das Weibliche und das Männliche. Bewegung.

Damit ist Asterisk* ein Zyklus über ein und dasselbe, das in verschiedenen Erscheinungsformen hörbar wird: vier Teile — im Klang von vier Instrumenten. Sein Titel ist eine subtile Anspielung auf Figuren, die, indem sie den eigentlichen Entwurf verhüllen, die Selbstironie ihrer Schöpfer verraten — Vertreter eines reinen musikalischen Denkens, Sonoristen im besten Sinne, die den Wahrnehmungsraum meisterhaft erweitern.

Am Ende erweisen sie sich als Schöpfer einer Jazz-Sinfonie.

 

Asterisk ist eine Sinfonie.
Bedeutungen — jenseits von Bedeutungen.
Klang.